Bank of Scotland Kredit

Darlehen der Bank of Scotland

Der Türkei-Krise ist Erdogans und Trumps Fabrik, aber unser Fehler. Bereits seit einigen Wochen sinkt der Preis der tuerkischen Lire stetig. Nach der endgültigen Freilassung der Türkei und ihrer Lire durch den US-Präsidenten am vergangenen Wochenende über Zwitschern steht die Landeswährung im Freihand. Damit steht die Türkei am Anfang einer schwerwiegenden Finanz- und Wirtschaftskrisensituation. Die EU-Banken sind die grössten Kreditgeber der türkischen Volkswirtschaft, und die Türkei ist ein für Europa grundlegend bedeutender Stromkorridor, der bei einer Stabilisierung der gesamten Volkswirtschaft wahrscheinlich am meisten verloren würde.

Letzter Freitags könnte als "Schwarzer Freitag" in die jüngste türkische Geschichtsschreibung einfließen. Erstens hat der türkische Staatspräsident Erdogan versucht, seine Landsleute in einer merkwürdig aussehenden Ansprache zu überzeugen, eine "goldgeschenkte Papierkampagne" zu starten, um den anschwellenden Niedergang der Lire zu verhindern. Während er noch sprach, fing der Lauf der Lire an, aufzugeben.

Gerade in diesem Augenblick schoss US-Präsident Trump einen magischen Tweet auf die Türkei und kündigte neue Sanktionszölle auf die türkischen Eisen- und Aluminiumausfuhren an. Der Zeitpunkt konnte nicht fataler sein und wurde von den Börsenspekulanten an den Währungsmärkten genau so akzeptiert, wie es vorgesehen war - als Freikarte für Spekulationen gegen die Lire.

Der Autor hat gerade eine Verdoppelung der Zölle auf Stahl und Aluminium im Vergleich zur Türkei genehmigt, denn ihre Währung, die türkische Lira, fällt gegenüber unserem sehr starken Euro rasch! Auch wenn sich Erdogan heute als ein Mitglied der "diejenigen versteht, die einen Handels-Krieg gegen die ganze Erde führen", hat er nur teilweise Recht.

Der Angriff auf die Waage wäre ohne die zugrunde liegenden und selbst verschuldeten realen und finanziellen Schwierigkeiten des Staates nicht möglich gewesen. Der Bergsturz nach Trumps Tweet beschleunigte vermutlich nur die erwarteten Preisverluste der Lire. Wie kaum ein anderes Staat ist es gelungen, die Wirtschaftskrise so entschlossen zu überwinden wie die Türkei.

Angetrieben von (zu) niedrigen Zinssätzen, (zu) hoher Teuerung, einer expansiven Währungspolitik, staatlichen Ausgaben für Immobilien und Wohnungen und der Finanzierung durch die zunehmende Auslandsschuld ist die Wirtschaft der Türkei in den vergangenen acht Jahren stärker gewachsen als in fast jedem anderen Land der Schwellenländer. Zugleich wuchsen die Effektivlöhne kontinuierlich um mehr als fünf Prozentpunkte pro Jahr, und sowohl die Wirtschaft als auch die Gesellschaft verlangten aufgrund der relativ hohen Schwedischen Währung immer mehr Investitions- und Gebrauchsgüter aus dem In- und Ausland. In der Folgezeit wurden die Löhne um mehr als fünf Prozentpunkte erhöht.

Das offizielle Defizit der Türkei liegt derzeit bei 57,4 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Aber sowohl Erdogan als auch sein Chefökonomischer Berater, der Wirtschaftspublizist Cemil Etem, scheint den Ernst der Situation noch nicht begriffen zu haben. Lediglich am Mittwoch, den 29. Juni, hob die Notenbank den Leitzinssatz von 8,0 auf 16,5 Prozentpunkte an und stoppte damit den Zusammenbruch der Lire für zwei Monat. Doch nun holten auch die realen wirtschaftlichen Konsequenzen der Krisensituation den Anschluss an das Jahr.

Seit Jahren strömte zu viel Auslandskapital in die heiß umkämpfte Wirtschaft der Türkei. Insbesondere der Bank- und Firmensektor füllte sich mit "billigen" Fremdwährungskrediten. In der Türkei gibt es heute zwei Mio. leer stehende, nicht verkaufsfähige neue Gebäude und die Firmen und Kreditinstitute sind mit 350 Mrd. US$ im Auslandsgeschäft geschuldet - die gesamte Auslandsverschuldung beträgt 466 Mrd. US$, mit einer Fälligkeit von 182 Mrd. US$ innerhalb eines Jahrs.

Das wäre an sich schon ein großes Übel, aber auch tödlich sind die Konzerne und Kreditinstitute nahezu ausschliesslich in den Devisen EUR und USD verpflichtet, was das Übel zu einer aufkommenden Krise macht. Wer die eigene Landeswährung gegenüber der Landeswährung, in der er geschuldet ist, um die Hälfe ihres Wertes einbüßt, ist bereits heute mit zwei Jahresgehältern geschuldet, wenn er am gestrigen Tag noch mit einem Jahresentgelt geschuldet war.

Bei der Wahl von Herrn Erdogan zum Staatspräsidenten im Jahr 2014 erhielten Sie etwas mehr als zwei Lire für einen Euro. Heutzutage sind es beinahe sieben Lire. Umgekehrt bedeutet dies, dass ein Konzern, der vor vier Jahren eine Verschuldung von 10 Millionen US-Dollar hatte, damals rund 20 Millionen US-Dollar in Türkische Lira investierte.

Gegenwärtig müßte sie ohne Zins 70 Millionen Türkische Lire aufnehmen, um dieses Darlehen zurückzuzahlen. Auch der Zinsservice wird zum Thema und es ist kaum verwunderlich, dass derzeit fast jede Woche große tuerkische Firmen den Insolvenzantrag stellen und dass es kaum grosse Konzerne oder Bänke gibt, die nicht bereits von einer der Rating-Agenturen heruntergestuft worden sind.

Besonders drastisch ist die Lage der Kreditinstitute, da sich ihr Beteiligungskapital derzeit buchstäblich verflüchtigt, während die Ausfallsrisiken bei der Kreditvergabe zunimmt. Das ist vor allem deshalb schwierig, weil türkische Kreditinstitute auf dem Interbankmarkt, d.h. bei anderen Kreditinstituten, eine Nettoverschuldung von rund 80 Milliarden US-Dollar haben. Während die grösste Privatbank, die Guanti Bankasi, zu Beginn des Geschäftsjahres 12,4 Milliarden US-Dollar ausmachte, sind es heute nur noch 3,4 Milliarden US-Dollar.

Dies wäre mit einer Bilanzsumme von 83 Milliarden US-Dollar auch ohne die Krise ein greifbares Inlandsproblem; auch weil die Gesamtschuld der Kreditinstitute in Landeswährung von Tag zu Tag allein durch die Wechselkurse anstieg. Ohne eine schnellstmögliche Aufwertung der Lire oder ohne Abfederung von Kreditausfällen durch eine Art Schutzdach wird der türkische Finanzbereich vor einem wirklichen Hindernis stehen - und nicht nur das.

Die USA sind hauptsächlich in der Türkei militäraktisch tätig, während türkische Firmen und Finanzinstitute in der EU hoch verschuldet sind. Übrigens wird sie in der Risikobeurteilung des schweizerischen "Center for Risk Management" als die gefährdetste Bank in Europa mit einem Systemrisiko von 77 Milliarden EUR angesehen.

In den drei großen "Finanzzentren" USA, Großbritannien und Deutschland gibt es zusammen weniger Ansprüche an tuerkische Kreditinstitute und Firmen als das bereits geschundene russische Banksystem und auch die italienischen und franzoesischen Kreditinstitute sind in der Tuerkei verstaerkt involviert. Die Finanz- und Wirtschaftskrisen in der Türkei werden auch für das EU-Banksystem Nachteile haben.

Die EU unterhält auch sehr umfassende echte Wirtschaftsbeziehungen zur Türkei. Sie ist der viertgrößte Ausfuhrmarkt der EU und die fünftgrößte für Einfuhren. Dagegen ist die EU sowohl bei den Einfuhren als auch bei den Ausfuhren der mit Abstand bedeutendste Handelspartner der Türkei, während die USA mit einem Anteil von vier bzw. fünf Prozentpunkten an den Einfuhren und Ausfuhren nur etwa ein Zehntel des europäisch-türkischen Außenhandelsvolumens ausmachen.

Ein schwerwiegender Wirtschaftskriseneinbruch in der Türkei würde auch die Unternehmen der EU in realwirtschaftlicher Hinsicht beeinträchtigen. Doch noch gravierender wären die vorhersehbaren langfristigen Folgen einer vorhersehbaren und von den USA offensichtlich erzwungenen Krisensituation zwischen "dem Westen" und der Türkei. Die Türkei spielt eine ganz spezielle Schlüsselfunktion, schon allein aufgrund ihrer geografischen Position als Europas Energiekorridor.

Die Türkei ist der wichtigste Stromkorridor, insbesondere für diejenigen, die die Importe von Öl und Gas aus Europa weiter differenzieren wollen und nicht vollständig von dem russischen Monopol abhängt. Ein Anschluss der reichhaltigen Gaslagerstätten aus Katar und dem Iran an das transeuropäische Pipelinenetz ist ohne eine Überbrückung der Türkei realistischerweise nicht möglich.

Die Bedeutung der Türkei auch aus geostrategischer Perspektive zeigt der Syrische Krieg und der anhaltende BÃ??rgerkrieg im Irak. Die durch Finanz- und Wirtschaftskrise zerrissene Türkei könnte sogar das Risiko eingehen, dass sie selbst zu einem weiteren Instabilitätspol im Mittleren und Mittleren Osten wird. Die Vorstellung, dass Erdogan durch eine offensive Außen- und Verteidigungspolitik die Aufmerksamkeit von den zu erwartenden Folgen der Krise abgelenkt haben will und dass zum Beispiel die türkische Streitmacht die kurdischen Territorien Syrien und Nordirak besetzt halten wird, ist sicherlich nicht ganz unwirklich.

Inzwischen ist die Türkei offen für neue Allianzen. Erdogan scheiterte vor drei Woche mit dem Willen, die Türkei als vollwertiges Mitglied in die BRICS-Staaten aufzunehmen - aber auf mittlere Sicht werden vor allem Russland und China das größte Potenzial haben, das Durcheinander zu begrenzen und die Türkei zu einem strategisch wichtigen Kooperationspartner zu machen.

Aber ob diese Länder wirklich bereit sind und im Fall Russlands sogar in der Situation sind, die Türkei wirtschaftlich zu unterstützen, ist eher ungewöhnlich. Gemäß dem Leitspruch, dass man nicht in ein herabfallendes Werkzeug greift, werden sich die BRICS-Länder daher wahrscheinlich vorerst verhalten - zumal es sie nicht wirklich belasten sollte, wenn EU-Banken und -Unternehmen nun einen großen Teil der Debitorenforderungen gegenüber türkischen Schuldnern ausbuchen können.

In der Türkei sind die Devisenreserven zu niedrig, um die Lire mittel- bis langfristig gegenüber den Märkten zu unterlegen. Dies ist eine geostrategische Torheit, die selbst für Europas Konzerne und Kreditinstitute sehr kostspielig sein kann.

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